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Geschichte von 1928 bis 1939

Der Narrenrat und die frühe Blütezeit der Saschwaller Fasent

Im Jahre 1928 entstand schließlich aus Mitgliedern des Kraftsportvereins „Felsenfest" und anderen Fastnachtsbegeisterten Bürgern, der "Narrenrat Sasbachwalden", mit einem „Narrenvater" an der Spitze. In ausgedehnten Sitzungen wurde unter dem Vorsitz des engagierten Narrenvaters Berthold Decker (Engelwirt) ein Riesenprogramm unter dem Motto "Einst und Jetzt" vorbereitet und festgelegt.
So besagt es ein Zeitungsbericht im „Acher- und Bühler Boten" vom 16. Februar 1928. "Sasbachwalden wird über die drei Fastnachtstage etwas ganz Großes und Närrisches bieten", hieß es in dem Artikel.
Es finden "Aufführungen" in den Gasthäusern statt, ein "Fastnachtskonzert", und während der Umzüge bleibt die Hauptstraße "wegen der Unmöglichkeit einer Durchfahrt" gesperrt.
1929 behinderte der äußerst strenge Winter die Fastnacht sehr. So wird berichtet, dass ein Schudi, der ins Gasthaus "Gaishöll" kam, sich zuerst die Hände am warmen Ofen wärmen wollte. Die fast erfrorenen Finger spürten jedoch die große Hitze des Ofens nicht, und brannten ihm daran fest. Der Umzug wurde wieder durch einen riesigen Zeppelin der „Luftschiffgesellschaft Eskimo" geprägt, der durch die Gassen „Schnitzwaldens" schwebte.

 

Raumschiff METEOR
Welche Beweggründe dazu führten, dass in diesen Jahren des Öfteren Raum- und Luftschiffe gebaut wurden und diese im Mittelpunkt der Saschwaller Fasent standen, kann man heute leider nicht mehr nach vollziehen. Die Wagen wurden damals mit Ochsen gezogen. Traktoren gab es noch nicht. Beim „Raumschiff Meteor" hier auf dem Bild hatte man sage und schreibe drei Paare Ochsen vorgespannt!

 

Fritz Doll vom Werth (rechts neben dem Fernrohr stehend) war immer vorne mit dabei, wenn es darum ging seine Ochsen vor einen närrischen Umzugswagen zu spannen. Links vom Fernrohr stehend der Narrenvater Berthold Decker (Engelwirt).

 

Dampfschiff Columbia
"Pfälzer Kerwe" hieß das Motto im Jahre 1930. Am Fastnachtssonntag und Dienstag gab es auf dem Rathausplatz und vor dem Gasthaus Rebstock: Kerwemänner, Karussells, Schießbuden, Panoramas, Lukas und Jakob und ein Klepperboot "System Prestro".

 

Der "Menschenfresser" (hier dargestellt von Josef Wild, dem "kleinen Schuster") mit seinen beiden Bändigern vor dem Dampfschiff "Columbia". (Fastnacht 1932).
 
 

 

Schienenzeppelin
Der Schienenzeppelin mit der Route:
Hamburg-Berlin-Schnitzheim-Hornisgrinde-Schwabenland-Timbuktu.
Dieser legte 1933 auch im närrischen "Schnitzheim" einen Halt ein. Der Narrensamen war ebenfalls schon eifrig bei der Fastnacht engagiert, wie auf dem Bild unschwer zu erkennen ist.

 

1935 ging's dann wieder richtig rund, als der „weltberühmte Zirkus Schnitzerani" auf seiner Tournee durch Europa auch in Sasbachwalden seine Vorstellungen gab. Die Giraffe "Tusnelda" und das Bärenweibchen "Susi" mit ihren Dompteuren sind hier auf dem Foto zu bewundern. Ebenso zwei Affen, deren Namen aber leider nicht überliefert sind. Der Elefant „Molli" passte hier anscheinend nicht mehr auf das Bild. In den Pausen sorgten die Clowns "August und Heinrich" für eine ausgiebige Betätigung der Lachmuskeln.
Zirkus Schnitzerani

 

Doch schon in den Morgenstunden des Aschermittwochs verließ der „Wanderzirkus Schnitzerani" den Ort wieder, so sagt es die Chronik. Der Name „Schnitzerani" war eine weitere Variante des Ortsnecknamens in Verbindung mit den „Saschwaller Schnitz". Im Jahre 1936 startete die Fastnacht schon Wochen vorher mit dem üblichen "Schnurren", wobei die Bevölkerung gehörig "gestrählt" wurde. Das heißt, die Sünden und Vergehen, die man sich das Jahr über zuschulden kommen ließ, werden einem "vorgerupft". „Ausführliche und Gründlicher" wird dies aber noch durch die Narrenzeitung geschehen, die sich aber noch in Druck befinde, so eine Pressemitteilung vom 19. Februar. Erster Höhepunkt der Fasent 1936 war schon am Sonntag, dem 16. Februar der Preismaskenball beim "Narrenvater" Berthold Decker, im Gasthaus "Engel". Wobei die Preisrichter keine leichte Aufgabe hatten, zwischen den originellen, phantasievollen und reizenden Masken zu entscheiden.

Der "Elferrat" legte in einer „Geheimsitzung" das endgültige Programm für die Fastnacht fest: Nach dem traditionellen Umzug am Sonntag und am Dienstag, wurde auf dem Rathausplatz der "Schnitzmärkt" abgehalten. Dieser stand außer den Kauf- und Schaubuden und dem Kasperletheater ganz im Zeichen der Olympiade. So wurde unter großem Aufwand eine riesige Rutschbahn aufgebaut, von der alte Saschwaller heute noch begeistert berichten.

Auf nach Sasbachwalden, zum großen "Zigeuner-Treffen", hieß es Anno 1937. "Wer Freude am Zigeunerleben habe, -die am Fastnachtssonntag und Dienstag ihr berühmtes Nationalfest hier abhalten-, komme nach Sasbachwalden. Auch spielt eine ausgezeichnete "Zigeunerkapelle" zum Tanze auf. Hierzu lud nun die „Narrhalla Saschwalle" ein, wie sich der Narrenrat mittlerweile bezeichnete. 1938 wird von "lebhaftem Betrieb" durch eine große Anzahl Schudis beim Schnurren in den einzelnen Gasthöfen Sasbachwaldens berichtet.

Auch von auswärts waren wieder Schudis und Gäste gekommen. Das Schnurren war jeweils auf Dienstag, Donnerstag und Samstag festgesetzt worden. Ideengeber und treibende Kraft in diesen Jahren bis 1939, als der Zweite Weltkrieg dem Ganzen ein vorläufiges Ende setzte, war der "Engelwirt" Berthold Decker, (*1881, +1957). Er stand als "Narrenvater" an der Spitze des "Narrenrates", bzw. der "Narrhalla". Seine Ideen und sein Engagement waren Maßstäbe für die Saschwaller Fasent, ja er lebte für sie!